In den vergangenen zehn Jahren haben Russlands politische Eliten ihre Bemühungen massiv verstärkt, Medienpublika im Ausland zu beeinflussen. Unter anderem soll Russland versucht haben, Einfluss auf Wahlen in Österreich, Frankreich, Deutschland, der Ukraine und den USA zu nehmen. Hier knüpfte das RUSINFORM-Projekt an, dessen übergeordnete Forschungsfrage lautete: Wie und mit welchen Konsequenzen haben neue internetbasierte Technologien zur Entstehung neuer Ressourcen, Techniken und Prozesse beigetragen, mit denen politische Eliten in Moskau Medienpublika im Ausland beeinflussen können? Diese Frage sollte mithilfe von vier Arbeitspaketen empirisch und theoretisch beantwortet werden.
Zur Beantwortung der übergeordneten Forschungsfrage des Projektes sollte im Rahmen eines theoretischen Arbeitspakets (WP4) systematisch geprüft werden, inwiefern das fundierte Wissen über die sowjetische Auslandspropaganda der Rundfunkzeit genutzt werden kann, um die jüngsten Bemühungen Russlands im digitalen Zeitalter zu verstehen. WP4 baut dabei auf drei weiteren empirischen Arbeitspaketen auf. Diese Arbeitspakete nehmen drei stark digitalisierte Elemente der jüngsten Bemühungen Russlands unter die Lupe. In methodischer Hinsicht sind WP1 bis 3 innovativ, da sie neue, sogenannte Computational Methods (Data Mining, automatisierte Textanalyse) mit traditionellen sozialwissenschaftlichen Methoden (Umfragen, qualitative Interviews, Grounded Theory) kombinieren.
Als Reaktion auf die jüngsten Bemühungen Russlands haben eine Vielzahl von Akteuren, darunter die EU, die NATO und verschiedene Nichtregierungsorganisationen, Gegenmaßnahmen eingeleitet. Diese Akteure werden von den in diesem Forschungsvorhaben zu erwartenden Ergebnissen profitieren. Letztere können dazu beitragen, Maßnahmen zur Absicherung demokratischer Willensbildungsprozesse gegen unangemessene informationelle Einflussnahmen von außen wirkungsvoller zu gestalten. Der Europäische Forschungsrat förderte das Vorhaben über eine Laufzeit von fünf Jahren mit etwa zwei Millionen Euro.
WP1 konzentrierte sich auf das ausländische Online-Publikum Russland-affilierter Inhalte und darauf, wie dieses Publikum solche Inhalte nutzt, mitgestaltet und weiterverbreitet. Ziel war es, ein besseres Verständnis über das Publikum zu erlangen, das die Inhalte russischer oder mit Russland verbundener Medien konsumiert, indem die Mediengewohnheiten, Online-Partizipation und individuelle Hintergründe der Nutzerinnen und Nutzer untersucht wurden. Um die verschiedenen Dimensionen dieses Publikums zu untersuchen, war WP1 in zwei Hauptstudien unterteilt; eine Studie untersucht das russischsprachige Publikum (WP1a), die andere Studie konzentrierte sich auf das aktive Publikum von mit Russland affilierte Medien wie RT Deutsch (WP1b). Deutschland wurde als primäre Fallstudie des Arbeitspakets ausgewählt, da es der europäische Staat mit der größten Anzahl russischsprachiger Migrantinnen und Migranten ist und zudem über publikumsstarke russische Auslandsmedien wie RT Deutsch und Sputnik verfügt. Damit hat WP1 eine große Lücke in der aktuellen Forschung geschlossen, da es die erste eingehende Studie war, die diese Zielgruppen untersucht hat.
Für weitere Informationen zu WP1a wenden Sie sich bitte an Anna Ryzhova (Anna.Ryzhova@uni-passau.de). Fragen zum WP1b richten Sie bitte an Arista Beseler (Arista.Beseler@uni-passau.de).
WP2 hat wegweisende Forschungsergebnisse dazu geliefert, wie Social-Media-Plattformen als Übertragungskanäle fungieren können, die die russischen Inlandsmedien mit dem russischsprachigen Publikum im Ausland verbinden. Das Arbeitspaket hat empirisches Wissen generiert, welches für die Bewertung des Einflusses der inländischen, vom Kreml kontrollierten Medien auf das russischsprachige Publikum im Ausland von entscheidender Bedeutung ist, sowie neue Ansätze zur Untersuchung des Publikums öffentlicher Social-Media-Seiten durch die Verwendung von einer Kombination aus computergestützten mit traditionellen sozialwissenschaftlichen Methoden vorgestellt.
Nachdem ein exploratives Data-Mining-Projekt mit Facebook-Daten durchgeführt wurde, haben wir uns gefreut die folgenden vorläufigen Beobachtungen über die inländischen Medien Russlands zu präsentieren:
Für weitere Informationen zu WP2 wenden Sie sich bitte an Julia Kling (Julia.Kling@uni-passau.de).
WP3 ist eine der ersten Untersuchungen, die die Rolle der vom Kreml kontrollierten Suchmaschine Yandex als Werkzeug der Auslandskommunikation untersucht hat.
Für weitere Informationen zu WP3 wenden Sie sich bitte an Daria Kravets (Daria.Kravets@uni-passau.de).
Dieses Projekt gehörte zu dem Lehrstuhl für Politische Kommunikation mit Schwerpunkt auf Osteuropa und die postsowjetische Region.
Das Projekt wird gefördert vom Europäischen Forschungsrat (ERC) im Rahmen des Horizon 2020 Forschungs- und Innovationsprogramms der Europäischen Union (Zuschussvereinbarungsnummer 819025).