Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 haben Russlands politische Eliten ihre Bemühungen massiv verstärkt, Medienpublika im Ausland zu beeinflussen. Unter anderem versuchte Russland, Einfluss auf demokratische Wahlen in Österreich, Frankreich, Deutschland, der Ukraine und den USA zu nehmen. Hier knüpfte das RUSINFORM-Projekt an, dessen übergeordnete Forschungsfrage lautete: Wie und mit welchen Konsequenzen haben neue internetbasierte Technologien zur Entstehung neuer Ressourcen, Techniken und Prozesse beigetragen, mit denen politische Eliten in Moskau Medienpublika im Ausland beeinflussen können? Diese Frage sollte mithilfe von vier Arbeitspaketen empirisch und theoretisch beantwortet werden.
Zur Beantwortung der übergeordneten Forschungsfrage des Projektes wurde im Rahmen eines theoretischen Arbeitspakets (WP4) systematisch geprüft, inwiefern das fundierte Wissen über die sowjetische Auslandspropaganda der Rundfunkzeit genutzt werden kann, um die jüngsten Bemühungen Russlands im digitalen Zeitalter zu verstehen. WP4 baute dabei auf drei weiteren empirischen Arbeitspaketen auf. Diese Arbeitspakete nahmen drei stark digitalisierte Elemente der jüngsten Bemühungen Russlands unter die Lupe. In methodischer Hinsicht sind WP1 bis 3 innovativ, da sie neue, sogenannte Computational Methods (Data Mining, automatisierte Textanalyse) mit traditionellen sozialwissenschaftlichen Methoden (Umfragen, qualitative Interviews, Grounded Theory) kombinierten.
Der Europäische Forschungsrat ERC förderte das Vorhaben über eine Laufzeit von sechs Jahren mit etwa zwei Millionen Euro.
WP1 konzentrierte sich auf das ausländische Online-Publikum Russland-affilierter Inhalte und darauf, wie dieses Publikum solche Inhalte nutzt, mitgestaltet und weiterverbreitet. Ziel war es, ein besseres Verständnis über das Publikum zu erlangen, das die Inhalte russischer oder mit Russland verbundener Medien konsumiert, indem die Mediengewohnheiten, Online-Partizipation und individuelle Hintergründe der Nutzerinnen und Nutzer untersucht wurden.
WP2 hat wegweisende Forschungsergebnisse dazu geliefert, wie Russlands heimische Social-Media-Plattformen als Übertragungskanäle fungieren können, die die russischen Inlandsmedien mit dem russischsprachigen Publikum im Ausland verbinden. Das Arbeitspaket hat empirisches Wissen generiert, welches für die Bewertung des Einflusses der inländischen, vom Kreml kontrollierten Medien auf das russischsprachige Publikum im Ausland von entscheidender Bedeutung ist, sowie neue Ansätze zur Untersuchung des Publikums öffentlicher Social-Media-Seiten durch die Verwendung von einer Kombination aus computergestützten mit traditionellen sozialwissenschaftlichen Methoden vorgestellt.
WP3 führt eine der ersten Untersuchungen durch, die die Rolle der vom Kreml kontrollierten Suchmaschine Yandex als Werkzeug der Auslandskommunikation theoretisierte.
Mehr über die Ergebnisse des RUSINFORM-Projektes erfahren Sie auf der Untereseite Resultate.
Dieses Projekt gehörte zu dem Lehrstuhl für Politische Kommunikation mit Schwerpunkt auf Osteuropa und die postsowjetische Region.
Das Projekt wird gefördert vom Europäischen Forschungsrat (ERC) im Rahmen des Horizon 2020 Forschungs- und Innovationsprogramms der Europäischen Union (Zuschussvereinbarungsnummer 819025).